Gartner sagte 25 % weniger Suchen bis 2026 voraus. Was ist passiert?

2024 prognostizierte Gartner einen Einbruch des Suchvolumens um 25 Prozent bis 2026. Unser Faktencheck mit aktuellen Zahlen zeigt: Gesucht wird mehr denn je, aber geklickt wird weniger.

Inhalt 8 Abschnitte
  1. Die Prognose: 25 Prozent weniger Suchen bis 2026
  2. Was die Zahlen 2026 zeigen
  3. Das Suchvolumen ist nicht gesunken – es ist gewachsen
  4. Was wirklich eingebrochen ist: die Klicks
  5. Lag Gartner also falsch?
  6. Was das für Ihre Strategie bedeutet
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen
Gartner sagte 25 % weniger Suchen bis 2026 voraus. Was ist passiert?

Die Prognose: 25 Prozent weniger Suchen bis 2026

Im Februar 2024 sorgte das Marktforschungsunternehmen Gartner für Aufsehen. Die Kernaussage: Bis 2026 werde das Volumen klassischer Suchmaschinen um 25 Prozent sinken, weil KI-Chatbots und andere virtuelle Assistenten Suchanfragen übernehmen. Suchmarketing werde Marktanteile an diese neuen Antwortmaschinen verlieren.

Die Prognose wurde weltweit zitiert – auch von uns. Schon damals gab es Zweifel: Gartner betonte selbst, es handle sich um eine Vorhersage, nicht um eine Berechnung auf Basis eigener Suchdaten.

Was die Zahlen 2026 zeigen

FrageWas die Daten sagen
Ist das Google-Suchvolumen um 25 % gesunken?Nein. Google meldete 2025 mehr als 5 Billionen Suchen pro Jahr – die erste offizielle Zahl seit 2016, als von über 2 Billionen die Rede war.
Hat Google Marktanteile verloren?Kaum. Google liegt weltweit weiterhin bei rund 90 Prozent Marktanteil unter den Suchmaschinen.
Sind KI-Assistenten gewachsen?Enorm. OpenAI meldete im Februar 2026 mehr als 900 Millionen wöchentliche Nutzer von ChatGPT – mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.
Klicken Menschen weniger auf Websites?Ja, wenn KI-Antworten erscheinen. Laut Pew Research klicken Nutzer bei einer KI-Zusammenfassung nur in 8 Prozent der Fälle auf ein Suchergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent.

Das Suchvolumen ist nicht gesunken – es ist gewachsen

Die Zahl der Google-Suchen ist in den letzten Jahren nicht eingebrochen, sondern gestiegen. Google selbst argumentiert, dass KI-Übersichten die Suche sogar fördern: Bei Suchanfragen mit KI-Übersicht sei die Nutzung in den USA und Indien um mehr als 10 Prozent gestiegen. Menschen stellen mehr und längere Fragen, weil sie bessere Antworten bekommen.

Gleichzeitig ist parallel eine zweite Welt entstanden: KI-Assistenten wie ChatGPT, Perplexity oder Copilot werden von Hunderten Millionen Menschen genutzt – oft zusätzlich zur Google-Suche, nicht anstelle davon.

Was wirklich eingebrochen ist: die Klicks

Die entscheidende Veränderung zeigt sich nicht bei den Suchen, sondern bei dem, was danach passiert. Eine Studie des Pew Research Center aus dem Jahr 2025, basierend auf dem Surfverhalten von rund 900 Erwachsenen in den USA, zeigt:

  • Erscheint eine KI-Zusammenfassung, klicken Nutzer nur in 8 Prozent der Fälle auf ein klassisches Suchergebnis – ohne Zusammenfassung in 15 Prozent.
  • Auf Links innerhalb der KI-Zusammenfassung klicken sie nur in rund 1 Prozent der Fälle.
  • Nach einer Ergebnisseite mit KI-Zusammenfassung beenden 26 Prozent ihre Sitzung ganz, ohne Zusammenfassung 16 Prozent.

Google bestreitet die Methodik der Studie. Die Richtung bestätigen aber viele andere Auswertungen – und die eigenen Zahlen vieler Website-Betreiber.

Lag Gartner also falsch?

Bei der Zahl: ja. Ein Rückgang des klassischen Suchvolumens um 25 Prozent ist bis 2026 nicht eingetreten. In der Richtung: nein. Gartner hat einen echten Wandel früh erkannt – nur an der falschen Stelle gemessen:

Gartner sagteTatsächlich passiert
Weniger Suchen in SuchmaschinenMehr Suchen, aber mehr Antworten direkt in der Suche
KI-Chatbots ersetzen SuchmaschinenKI-Chatbots wachsen zusätzlich, Suchmaschinen integrieren selbst KI
Suchmarketing verliert BedeutungKlicks werden knapper und teurer, die Konkurrenz um sie steigt

Für Unternehmen ist das Ergebnis fast dasselbe, wie Gartner es vorhergesagt hat: Wer sich allein auf Klicks aus der klassischen Suche verlässt, bekommt weniger Besucher. Für viele Websites liegt der Rückgang der Klicks bei bestimmten Fragen bereits über den prognostizierten 25 Prozent – auch wenn insgesamt so viel gesucht wird wie nie.

Was das für Ihre Strategie bedeutet

  1. Sichtbarkeit neu messen: Neben Klicks auch Impressionen und Nennungen in KI-Antworten beobachten. Mehr dazu im Eintrag zu Zero-Click Searches.
  2. Zitiert werden statt nur ranken: Klare Antworten, eigene Daten und belegte Aussagen machen Inhalte zur Quelle für KI-Systeme – siehe GEO.
  3. Den Klick wertvoll machen: Wer nach der KI-Antwort noch klickt, will meist mehr: einen Rechner, eine Einschätzung, einen Ansprechpartner. Genau das sollten Seiten bieten.
  4. Unabhängiger werden: Eigene Daten, Portale, Newsletter und eine starke Marke machen weniger abhängig von einzelnen Kanälen. Wie sich die Klickpreise in Google Ads entwickeln, lesen Sie im Artikel „Google Ads werden teurer“.

Warum wir glauben, dass in diesem Wandel vor allem diejenigen gewinnen, die die besten Antworten liefern, beschreibt Christian Hollmann im Artikel „Wer die Antworten besitzt, gewinnt die Suche von morgen“.

Häufige Fragen

Wie viele Suchen verarbeitet Google pro Tag?

Google nennt keine Tageszahl, sondern mehr als 5 Billionen Suchen pro Jahr. Das entspricht rechnerisch rund 14 Milliarden Suchen am Tag.

Ersetzt ChatGPT die Google-Suche?

Bisher nicht. Beide wachsen, viele Menschen nutzen beides – je nach Frage. Für Website-Betreiber zählt deshalb die Sichtbarkeit in beiden Welten.

Gelten die Zahlen auch für Deutschland?

Die genannten Studien stammen überwiegend aus den USA. Die Entwicklung in Deutschland verläuft ähnlich, auch hier zeigt Google KI-Übersichten. Am aussagekräftigsten sind die eigenen Daten in der Search Console.

Quellen

Oliver Godolt
Strategie, Paid Search & Skalierung

Oliver Godolt

Geschäftsführer und Mitgründer von Leadsleader. Schreibt über Google Ads, Lead-Gewinnung, Legal Tech und skalierbare Prozesse.

Weiterlesen

Alle Artikel