Kommt das nächste große Google-Update? Was Googles neue Richtlinien verraten

Lily Ray erwartet ein großes Google-Update gegen KI-Massencontent, erfundene Autoren und manipulative GEO-Taktiken. Die Warnsignale, neue Zahlen und was Website-Betreiber jetzt tun sollten.

Inhalt 12 Abschnitte
  1. Der Kreislauf der Suchmaschinenoptimierung
  2. Google kündigt große Updates oft schriftlich an
  3. Die Warnsignale im Oktober 2026
  4. Die neuen GEO-Tricks sind die alten SEO-Tricks
  5. Gekaufte Erwähnungen sind die neuen gekauften Links
  6. Andere Experten sehen es genauso
  7. Was die betroffenen Websites gemeinsam haben
  8. Unsere Einordnung
  9. Was Sie jetzt tun sollten
  10. Häufige Fragen
  11. Fazit
  12. Quellen
Kommt das nächste große Google-Update? Was Googles neue Richtlinien verraten

Die US-amerikanische SEO-Expertin Lily Ray hat am 4. Oktober 2026 eine Prognose veröffentlicht, die in der Branche gerade viel Aufmerksamkeit bekommt: Das nächste große Google-Update steht kurz bevor. Ihr Argument ist kein Bauchgefühl. Sie zeigt, dass Google seine großen Schritte in der Vergangenheit fast immer in der eigenen Dokumentation angekündigt hat – und dass sich genau dieses Muster gerade wiederholt. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen und ordnen ein, was das für Ihre Website bedeutet.

Der Kreislauf der Suchmaschinenoptimierung

Lily Ray beschreibt einen Kreislauf, den viele aus der Branche kennen: Jemand findet eine Lücke in Googles Systemen – heute auch in KI-Antworten. Die Taktik spricht sich herum und wird tausendfach kopiert. Irgendwann reagiert Google mit einem Update, und wer die Taktik genutzt hat, verliert Sichtbarkeit – oft auch Websites, die nur ein wenig davon Gebrauch gemacht haben. Florida, Panda, Penguin, das Medic-Update 2018, das Helpful Content Update und das Core Update im März 2024 folgten alle diesem Muster.

Google kündigt große Updates oft schriftlich an

WarnsignalWas folgte
Januar 2011: Google räumt zunehmenden Spam durch Content-Farmen einPanda-Update, Februar 2011
März 2012: Ankündigung einer Abwertung für überoptimierte WebsitesPenguin-Update, April 2012
Juli 2018: Richtlinien für Qualitätsbewerter betonen den Ruf von Website und Autoren„Medic“-Core-Update, zwölf Tage später
Herbst 2023: „von Menschen geschrieben“ verschwindet aus den RichtlinienHelpful Content Update, dann Core Update März 2024 mit drei neuen Spam-Richtlinien
Januar 2025: Bewerter-Richtlinien nennen ungeprüfte KI-Inhalte als niedrigste QualitätCore Update März 2025, sieben Wochen später
15. Mai 2026: Spam-Richtlinien gelten ausdrücklich auch für KI-Übersichten und den KI-ModusCore Update am 21. Mai, Spam-Update im Juni
September und Oktober 2026: neue Vorgaben zu KI-Inhalten, Hauptinhalt und Autoren„Noch offen (Stand: 5. Oktober 2026)“

Zwischen Warnsignal und Update lagen mal wenige Tage, mal einige Monate. Lily Rays Fazit: Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.

Die Warnsignale im Oktober 2026

1. Neue Vorgaben für KI-Inhalte

Am 1. Oktober 2026 hat Google seinen Leitfaden zu KI-generierten Inhalten ergänzt: Es sei entscheidend, alle KI-Inhalte vor der Veröffentlichung von Menschen auf Richtigkeit prüfen zu lassen – ausdrücklich auch Titel, Meta Descriptions, strukturierte Daten und Alt-Texte. Das Wort „entscheidend“ verwendet Google in seiner Dokumentation selten.

2. Was guter Hauptinhalt ist

In der gleichen Woche bekam Googles Leitfaden für hilfreiche Inhalte einen neuen Abschnitt. Die Qualität des Hauptinhalts einer Seite zählt danach zu den wichtigsten Faktoren. Qualitätsbewerter achten auf vier Merkmale: Aufwand, Originalität, Können und Genauigkeit. Besonders deutlich: Wer mit KI große Textmengen ohne menschliche Kontrolle erzeugt, leistet nach Googles Definition wenig bis keinen Aufwand. Bei sensiblen Themen wie Recht, Gesundheit oder Finanzen müssen Inhalte zudem dem fachlichen Konsens entsprechen – siehe YMYL.

3. Erfundene Autoren gelten als Täuschung

Google stuft es jetzt auch in den Hinweisen für Website-Betreiber als Täuschung ein, Autorenprofile mit KI-Fotos, ausgedachten Namen oder falschen Qualifikationen zu versehen. Und: Jede Form der Täuschung mache eine Seite für Nutzer und für Googles automatische Systeme unglaubwürdig. In den Richtlinien für Qualitätsbewerter stand das schon länger – neu ist die Verbindung zu den automatischen Systemen.

4. Google sagt es auch öffentlich

Auf der Konferenz Search Central Live in Barcelona sagte Gary Illyes von Google laut einem Bericht, massenhaft erzeugte Inhalte würden inzwischen zu einem größeren Problem als Linkspam. Sein Kollege Duy Nguyen erklärte die vielen Spam-Updates mit der stark gewachsenen Menge neuer Inhalte – und dass Google inzwischen selbst KI einsetzt, um mehr davon zu erkennen.

5. Spam-Updates kommen immer schneller

Spam-Update 2026Abstand zum vorherigen
März–
Juni92 Tage
August55 Tage
September37 Tage

2025 gab es nur ein einziges Spam-Update. Das September-Update ist zudem anders: Google gab ihm bis zu zwei Wochen Zeit – so viel wie sonst nur Core Updates. Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass es vor allem Websites mit stark schematischen, vermutlich KI-erzeugten Seiten trifft, etwa eine Seite für jede Telefonnummer oder Vorwahl. Unsere Einordnung dazu lesen Sie im Artikel zum Google Spam Update September 2026.

Die neuen GEO-Tricks sind die alten SEO-Tricks

Viele der beliebtesten Taktiken, um in ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Übersichten aufzutauchen, sind nach Lily Rays Analyse alte Spam-Methoden mit neuem Etikett:

  • Massenhaft erzeugte KI-Inhalte zu jeder denkbaren Frage.
  • Bestenlisten in eigener Sache, in denen sich ein Unternehmen auf der eigenen Website selbst zum Testsieger erklärt (mehr dazu gleich).
  • Gekaufte Erwähnungen auf fremden Websites, um KI-Empfehlungen zu beeinflussen.
  • Automatisierte Beiträge in Foren wie Reddit.

Was sind Bestenlisten in eigener Sache?

Gemeint sind Ranglisten, die ein Unternehmen auf seinem eigenen Blog veröffentlicht – und in denen es sich selbst oder das eigene Produkt auf Platz 1 setzt. Typische Beispiele:

  • Ein Softwareanbieter schreibt „Die 10 besten Kanzleiprogramme 2026“ – Platz 1 belegt die eigene Software.
  • Eine Agentur veröffentlicht „Die besten SEO-Agenturen in Düsseldorf“ und nennt sich selbst als Erste.
  • Ein Onlineshop kürt in „Die besten Matratzen im Test“ die eigene Marke zum Testsieger.

Warum das so verbreitet ist: KI-Assistenten und Googles KI-Übersichten greifen bei Fragen wie „Welche Kanzleisoftware ist die beste?“ gern auf solche Listen zurück. Viele Unternehmen haben deshalb massenhaft davon veröffentlicht, um in KI-Empfehlungen aufzutauchen.

Inzwischen wirkt das immer weniger. Lily Ray hat 100 Suchanfragen nach „bester B2B-Software“ untersucht: Im September 2026 zitierten Googles KI-Übersichten 38 Prozent weniger solcher Listen als im Juni. Und wenn doch, übernahm die KI zwar die anderen Anbieter aus der Liste in ihre Empfehlung, ließ aber in 83 Prozent der Fälle genau das Unternehmen weg, das die Liste geschrieben hatte – im Juni waren es noch 69 Prozent. In 70 Prozent der Fälle half die Liste am Ende vor allem der Konkurrenz.

Ein wachsender Markt verkauft Platzierungen in fremden „Top 10“-Listen und Ratgebern, beworben als Weg in die Empfehlungen von ChatGPT und Co. – oft für wenige Hundert Euro pro Erwähnung und ohne Kennzeichnung. Enthalten solche Platzierungen Links, die Rankingsignale weitergeben, ist das klassischer Linkkauf und verstößt gegen Googles Spam-Richtlinien. Bezahlte Links sind nur mit rel="sponsored" oder rel="nofollow" erlaubt. Google schreibt außerdem ausdrücklich, dass gekaufte Erwähnungen weniger bringen, als viele hoffen, und dass Versuche, KI-Antworten zu manipulieren, unter die Spam-Richtlinien fallen. Mehr dazu im Eintrag zu Backlinks.

Andere Experten sehen es genauso

  • Glenn Gabe, bekannt für seine Analysen von Google-Updates, rechnet nach den Dokumentationsänderungen ebenfalls mit einem sehr großen Update.
  • Marie Haynes, die Googles Algorithmen seit 2008 beobachtet, erwartet bald ein bedeutendes Core Update – auch weil große Sprünge in Googles KI-Modellen in der Vergangenheit oft von Ranking-Änderungen gefolgt wurden.
  • Cyrus Shepard hat mehr als 130 SEO-Experten befragt: Bei der Inhaltsqualität stehen eigene Forschung und eigene Daten ganz oben – auch für die Sichtbarkeit in KI-Antworten.

Was die betroffenen Websites gemeinsam haben

Lily Ray hat 2026 mit vielen Unternehmen gearbeitet, die bereits Sichtbarkeit verloren haben. Die Muster ähneln sich:

  • Inhalte in einem Umfang, den ein menschliches Team kaum schaffen kann – oft zu Themen ohne eigene Erfahrung.
  • Schablonenseiten: eine Seite pro Stadt, pro Telefonnummer oder pro Produktvergleich, mit nur wenigen geänderten Wörtern.
  • „Ein Mensch schaut drüber“ reichte nicht: Auch Websites mit Redaktion wurden abgewertet, weil das Gesamtbild nicht stimmte.
  • Erfundene Autoren, selbst bei Rechts- und Gesundheitsthemen.
  • Bestenlisten und Vergleichsseiten in eigener Sache, geschrieben vor allem, um in KI-Antworten genannt zu werden.

Ein wichtiger Punkt: Wer in den Google-Ergebnissen abgewertet wurde, verlor meist auch die Nennungen in KI-Übersichten und oft auch in ChatGPT. Lily Ray rät ihren Kunden deshalb zu „weniger ist mehr“ – Qualität und Originalität statt Masse.

Unsere Einordnung

Die Analyse deckt sich mit dem, was wir in diesem Jahr selbst erleben. Zwei Punkte sind uns dabei besonders wichtig:

Programmatische Seiten sind nicht per se schlecht. Auch unsere Portale bestehen zu großen Teilen aus Seiten, die aus einer Datenbank entstehen – etwa eine Seite pro Messstelle oder pro Bußgeldstelle. Der Unterschied: Hinter jeder dieser Seiten stehen eigene, recherchierte Daten, die es nirgendwo anders gibt. Eine Seite pro Vorwahl, auf der nur die Vorwahl ausgetauscht wird, ist etwas anderes. Mehr dazu im Eintrag zu Programmatic SEO.

Transparenz zahlt sich aus. Auf unseren Portalen hat jeder Beitrag einen namentlichen Autor, juristische Inhalte prüfen Fachanwälte, Leser sehen das Prüfdatum und die Quellen. Bei leadsleader.de selbst haben wir Hunderte fast gleicher Stadtseiten entfernt. Beim September-Update hat sich das bereits ausgezahlt.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Massenhaft erzeugte Inhalte ehrlich prüfen: Bietet jede Seite etwas, das es anderswo nicht gibt? Wenn nicht: verbessern, zusammenführen oder entfernen – siehe Indexierung.
  2. Autorenprofile prüfen: Echte Menschen, echte Fotos, zutreffende Qualifikationen. Wer kein Profil zeigen kann, veröffentlicht besser unter einem ehrlichen Team-Namen und erklärt den redaktionellen Ablauf.
  3. KI-Inhalte vollständig prüfen lassen: Hauptinhalt, Titel, Meta Description, strukturierte Daten und Alt-Texte.
  4. Über den Einsatz von KI informieren: Eine Kennzeichnung ist nicht vorgeschrieben, Google empfiehlt sie aber dort, wo Leser sie erwarten würden. Offenheit schafft Vertrauen.
  5. Eigene Daten und Erfahrungen zeigen: Beispiele, Auswertungen, Fotos, Rechner – alles, was andere nicht kopieren können.
  6. Manipulative GEO-Taktiken streichen: keine Bestenlisten, in denen Sie sich selbst zum Testsieger erklären, keine gekauften Erwähnungen, keine automatisierten Forenbeiträge. Echte Generative Engine Optimization macht gute Inhalte zitierfähig, statt Qualität vorzutäuschen.
  7. Die Originalquellen lesen: Googles Leitfäden zu hilfreichen Inhalten und KI-Inhalten, die Spam-Richtlinien und die Richtlinien für Qualitätsbewerter.

Häufige Fragen

Bestraft Google jetzt KI-Inhalte?

Nein. Google bewertet weiterhin nicht, wie ein Inhalt entstanden ist, sondern ob er hilfreich, korrekt und originell ist. Neu ist die deutliche Erwartung, dass KI-Inhalte von Menschen geprüft werden – und dass Masse ohne Kontrolle als fehlender Aufwand gilt.

Reicht es, wenn ein Redakteur über KI-Texte schaut?

Nicht unbedingt. Nach den Beobachtungen von Lily Ray wurden auch Websites mit Redaktion abgewertet, wenn das Gesamtbild nicht stimmte. Entscheidend ist, ob die Inhalte insgesamt echten Mehrwert und eigene Expertise zeigen.

Wann kommt das nächste Update?

Das weiß nur Google. Bestätigte Updates erscheinen im Search Status Dashboard. Die empfohlenen Schritte lohnen sich unabhängig vom Zeitpunkt – und es ist deutlich leichter, vorher aufzuräumen, als nachher ein Jahr lang verlorene Sichtbarkeit zurückzuholen.

Fazit

Ob das große Update in zwei Wochen oder in zwei Monaten kommt: Google hat schriftlich festgehalten, was es als minderwertig betrachtet. Echte Autoren, echte Prüfung, eigene Daten und Zurückhaltung bei Masseninhalten sind der beste Schutz – in der Google-Suche und in KI-Antworten. Warum das auch für die Suche von morgen entscheidend ist, beschreibt Christian Hollmann im Artikel „Wer die Antworten besitzt, gewinnt die Suche von morgen“.

Quellen

Oliver Godolt
Strategie, Paid Search & Skalierung

Oliver Godolt

Geschäftsführer und Mitgründer von Leadsleader. Schreibt über Google Ads, Lead-Gewinnung, Legal Tech und skalierbare Prozesse.

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