Legal AI: Was bedeutet KI für Kanzleien?

Legal AI erklärt: Wie künstliche Intelligenz bei Recherche, Dokumenten, Wissen und Prozessen in Kanzleien eingesetzt werden kann.

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Inhalt 6 Abschnitte
  1. Was ist Legal AI?
  2. Wo kann Legal AI in Kanzleien eingesetzt werden?
  3. Was unterscheidet Legal AI von allgemeiner generativer KI?
  4. Warum braucht Legal AI menschliche Kontrolle?
  5. Welche Rolle spielen Datenschutz und Berufsgeheimnis?
  6. Fazit: Legal AI wird zum Bestandteil von Kanzleiprozessen

Legal AI bezeichnet den Einsatz künstlicher Intelligenz für juristische Aufgaben und Prozesse im Rechtsbereich. Dazu gehören beispielsweise die Analyse von Dokumenten, juristische Recherche, Zusammenfassungen, Vertragsprüfung, Entwürfe, Wissensmanagement oder die strukturierte Unterstützung bei wiederkehrenden Kanzleiprozessen.

Legal AI ist damit ein Teilbereich von Legal Tech. Während Legal Tech auch klassische Software ohne künstliche Intelligenz umfasst, basiert Legal AI auf KI-Modellen oder anderen Verfahren des maschinellen Lernens.

Die möglichen Anwendungen reichen inzwischen weit über einfache Chatbots hinaus. Typische Einsatzfelder sind:

  • Recherche: große Mengen juristischer Informationen durchsuchen, strukturieren oder für eine weitere Prüfung zusammenfassen.
  • Dokumentenanalyse: Verträge, Schriftsätze, Akten oder Due-Diligence-Unterlagen vergleichen und relevante Stellen herausarbeiten.
  • Entwürfe: erste Fassungen von Schreiben, Vertragsklauseln, internen Memos oder Gliederungen erstellen.
  • Wissensmanagement: internes Kanzleiwissen auffindbar machen und mit konkreten Mandatsfragen verbinden.
  • Mandantenaufnahme: Angaben strukturieren, Anfragen kategorisieren oder standardisierte nächste Schritte vorbereiten.
  • Agentische Prozesse: KI-Agenten können mehrstufige Aufgaben bearbeiten und dabei auf verschiedene Werkzeuge oder Datenquellen zugreifen.

Allgemeine Systeme wie große Sprachmodelle können Texte erzeugen oder Informationen strukturieren, ohne speziell für juristische Arbeit entwickelt worden zu sein. Legal-AI-Produkte ergänzen solche Modelle häufig um juristische Datenquellen, spezielle Such- und Prüfmechanismen, Kanzleiwissen, Dokumentenbestände oder auf den Rechtsbereich zugeschnittene Workflows.

Entscheidend ist deshalb nicht allein, welches Sprachmodell im Hintergrund verwendet wird. Für den praktischen Einsatz zählen ebenso Datenzugriff, Quellenqualität, Berechtigungen, Nachvollziehbarkeit und die Integration in den Arbeitsprozess.

KI-Ausgaben können falsch, unvollständig oder verzerrt sein. Gerade bei juristischen Aufgaben kann eine überzeugend formulierte Antwort daher nicht mit einer verlässlichen rechtlichen Bewertung gleichgesetzt werden. Die Bundesrechtsanwaltskammer weist in ihren Handlungshinweisen unter anderem auf Halluzinationen, Kontrollpflichten, anwaltliche Verschwiegenheit und weitere berufsrechtliche Risiken hin.

Für Kanzleien bedeutet das: Legal AI kann Arbeit vorbereiten und beschleunigen, die fachliche Verantwortung verbleibt jedoch beim Menschen. Je sensibler die Aufgabe und je größer die möglichen Folgen, desto wichtiger sind nachvollziehbare Prüf- und Freigabeschritte.

Welche Rolle spielen Datenschutz und Berufsgeheimnis?

Bei Legal AI geht es häufig um vertrauliche Informationen. Vor dem Einsatz eines Systems sollte deshalb geprüft werden, welche Daten verarbeitet werden, wo sie gespeichert werden, ob sie für Trainings- oder andere Zwecke weiterverwendet werden können und welche technischen sowie vertraglichen Schutzmechanismen bestehen.

Zusätzlich zu Datenschutz und Berufsrecht können je nach Anwendung Anforderungen des europäischen AI Act relevant sein. Nicht jede in einer Kanzlei verwendete KI ist automatisch ein Hochrisiko-System; entscheidend ist der konkrete Verwendungszweck.

Legal AI entwickelt sich von einzelnen Schreib- und Recherchehilfen zu Systemen, die stärker mit Dokumenten, Wissen und Arbeitsabläufen verbunden sind. Für Kanzleien verschiebt sich damit die entscheidende Frage von „Welches KI-Tool testen wir?“ zu „Für welchen Prozess setzen wir KI ein und wie kontrollieren wir das Ergebnis?“

Wer Legal AI sinnvoll einsetzen möchte, braucht deshalb nicht nur Zugang zu leistungsfähigen Modellen, sondern klare Einsatzfälle, Datenregeln, Verantwortlichkeiten und einen verlässlichen menschlichen Prüfprozess.

Quellen und Vertiefung:
Bundesrechtsanwaltskammer: KI in Anwaltskanzleien
Leadsleader: Harvey II – Entwicklung von Legal AI in Kanzleien

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