Flesch-Test: Methode zur Bewertung der Lesbarkeit von Texten basierend auf Satz- und Wortlänge
Der Flesch-Reading-Ease-Score ist ein Instrument zur Bewertung der Lesbarkeit von Texten
Inhalt 8 Abschnitte
Der Flesch-Test (Flesch Reading Ease) ist eine Formel, die die Lesbarkeit eines Textes als Zahl zwischen 0 und 100 ausdrückt. Je höher der Wert, desto leichter ist der Text zu lesen. Grundlage sind die durchschnittliche Satzlänge und die durchschnittliche Silbenzahl pro Wort.
Woher kommt der Flesch-Test?
Der Test geht auf den österreichisch-amerikanischen Sprachwissenschaftler Rudolf Flesch zurück, der die Formel 1948 für englische Texte veröffentlichte. Weil deutsche Wörter im Schnitt länger sind, entwickelte Toni Amstad 1978 eine angepasste Fassung für die deutsche Sprache.
So wird der Wert berechnet
Deutsch (nach Amstad):
FRE = 180 – durchschnittliche Satzlänge – (58,5 × durchschnittliche Silben pro Wort)
Englisch (nach Flesch):
FRE = 206,835 – (1,015 × durchschnittliche Satzlänge) – (84,6 × durchschnittliche Silben pro Wort)
Die Satzlänge wird in Wörtern pro Satz gemessen. Kurze Sätze und kurze Wörter ergeben einen höheren, also besseren Wert.
Wie ist der Wert zu lesen?
| Wert | Lesbarkeit | Typisch für |
|---|---|---|
| 90 bis 100 | Sehr leicht | Texte für Kinder, einfache Sprache |
| 70 bis 90 | Leicht | Ratgeber, Newsletter, viele Websites |
| 60 bis 70 | Mittel | Zeitungen, Fachratgeber für Laien |
| 50 bis 60 | Mittelschwer | Anspruchsvolle Sachtexte |
| 30 bis 50 | Schwer | Fachliteratur |
| 0 bis 30 | Sehr schwer | Wissenschaftliche und juristische Texte |
Für Websites, die sich an ein breites Publikum richten, ist ein Wert ab etwa 60 ein gutes Ziel. Fachtexte dürfen niedriger liegen – sollten aber trotzdem so verständlich wie möglich sein.
Ist der Flesch-Wert ein Rankingfaktor?
Nein. Google nutzt keinen Lesbarkeits-Score als direktes Rankingsignal. Verständliche Texte wirken aber indirekt: Menschen finden schneller die Antwort, bleiben länger und vertrauen eher. Auch KI-Systeme übernehmen klare, gut strukturierte Aussagen leichter als verschachtelte Sätze.
So verbessern Sie die Lesbarkeit
- Kurze Sätze: Im Schnitt nicht mehr als 15 bis 20 Wörter pro Satz.
- Ein Gedanke pro Satz: Verschachtelte Nebensätze aufteilen.
- Einfache Wörter: Wo möglich das kürzere, geläufigere Wort wählen; Fachbegriffe beim ersten Auftreten erklären.
- Aktiv statt Passiv: „Das Gericht entscheidet“ liest sich leichter als „Es wird vom Gericht entschieden“.
- Struktur nutzen: Zwischenüberschriften, Listen und Tabellen gliedern lange Inhalte – siehe Bulletpoints.
Grenzen des Flesch-Tests
- Nur Form, nicht Inhalt: Der Wert sagt nichts darüber, ob ein Text richtig, hilfreich oder gut aufgebaut ist.
- Lange Fachwörter drücken den Wert: Begriffe wie „Kündigungsschutzklage“ sind für die Zielgruppe oft unverzichtbar.
- Gefahr der Übervereinfachung: Wer nur auf den Wert schreibt, lässt womöglich wichtige Informationen weg.
Tools für den Lesbarkeits-Check
Viele Content-Management-Systeme und SEO-Plugins berechnen den Flesch-Wert automatisch, auch für deutsche Texte. Daneben gibt es spezialisierte Textanalyse-Tools, die zusätzlich lange Sätze, Passiv und Füllwörter markieren.
Fazit
Der Flesch-Test ist ein einfaches Hilfsmittel, um zu schwere Texte zu erkennen. Er ersetzt aber kein Urteil über Inhalt und Aufbau. Am besten nutzen Sie ihn als Warnsignal: Liegt der Wert sehr niedrig, lohnt ein zweiter Blick auf Satzlänge und Wortwahl.


