Legal AI Legal-Tech-Lexikon

Generative KI: Definition & Einsatz in Kanzleien

Generative KI erzeugt neue Inhalte wie Text, Bilder oder Code. Wie sie funktioniert, was sie von klassischer KI unterscheidet und welche Rolle sie für Kanzleien spielt.

Was ist generative KI?

Generative KI bezeichnet Systeme künstlicher Intelligenz, die auf Grundlage erlernter Muster neue Inhalte erzeugen können. Dazu gehören Texte, Bilder, Audio, Video, Programmcode oder strukturierte Daten. Bekannte textbasierte Anwendungen beruhen häufig auf großen Sprachmodellen, sogenannten Large Language Models.

Im Unterschied zu klassischen Systemen, die beispielsweise nur Daten klassifizieren oder feste Regeln ausführen, kann generative KI neue Ausgaben in natürlicher Sprache oder anderen Medien erzeugen. Die Inhalte entstehen dabei nicht durch ein einfaches Nachschlagen, sondern werden auf Basis statistisch gelernter Zusammenhänge generiert.

Wie funktioniert generative KI vereinfacht erklärt?

Ein Sprachmodell wird mit sehr großen Mengen an Text und anderen Daten trainiert. Dabei lernt es Muster, Zusammenhänge und Wahrscheinlichkeiten in Sprache. Auf eine Eingabe, den sogenannten Prompt, erzeugt das Modell anschließend eine passende Fortsetzung beziehungsweise Antwort.

Moderne Systeme können zusätzlich Werkzeuge, Suchfunktionen, Dateien oder interne Datenquellen einbeziehen. Dadurch entwickeln sie sich vom reinen Textgenerator zunehmend zu Assistenten und KI-Agenten, die mehrere Arbeitsschritte miteinander verbinden können.

Welche Anwendungen hat generative KI in Kanzleien?

Für Kanzleien und Rechtsabteilungen sind insbesondere text- und dokumentenbezogene Aufgaben relevant:

  • Zusammenfassungen: lange Dokumente auf zentrale Aussagen reduzieren.
  • Entwürfe: erste Fassungen von Schreiben, Gliederungen oder internen Vermerken vorbereiten.
  • Dokumentenanalyse: Unterschiede, Klauseln oder wiederkehrende Muster in Dokumenten herausarbeiten.
  • Wissenszugang: Informationen aus internen Dokumenten oder Datenbeständen leichter zugänglich machen.
  • Mandantenkommunikation: allgemeine Informationen verständlicher formulieren oder organisatorische Kommunikation vorbereiten.
  • Prozessautomatisierung: unstrukturierte Informationen in strukturierte Daten überführen und weitere Arbeitsschritte auslösen.

Der speziell auf den Rechtsbereich bezogene Einsatz wird häufig als Legal AI bezeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen generativer KI und ChatGPT?

Generative KI ist der Oberbegriff für die Technologie beziehungsweise Systemklasse. ChatGPT ist eine konkrete Anwendung von OpenAI, die generative KI nutzt. Auch andere Anbieter entwickeln Anwendungen und Modelle für Text, Bilder, Video oder andere Medien.

Für Kanzleien ist diese Unterscheidung wichtig: Eine interne KI-Strategie sollte nicht nur auf ein einzelnes Produkt ausgerichtet sein, sondern auf Aufgaben, Datenarten und Anforderungen. Produkte können wechseln, während die zugrunde liegenden Prozesse bestehen bleiben.

Warum kann generative KI falsche Antworten erzeugen?

Sprachmodelle erzeugen Antworten anhand erlernter Wahrscheinlichkeiten. Sie prüfen nicht automatisch jede Aussage gegen eine verlässliche Rechtsquelle. Deshalb können plausibel klingende, aber falsche Inhalte entstehen. Im KI-Kontext wird dafür häufig der Begriff Halluzination verwendet.

Gerade in der anwaltlichen Arbeit müssen Tatsachen, Rechtsnormen, Fundstellen und fachliche Schlussfolgerungen deshalb überprüft werden. Die Bundesrechtsanwaltskammer empfiehlt beim KI-Einsatz eine sorgfältige Kontrolle der erzeugten Ergebnisse und weist auf berufsrechtliche Risiken hin.

Was bedeutet generative KI für Datenschutz und Verschwiegenheit?

Ob vertrauliche Daten in einem System verarbeitet werden dürfen, hängt nicht allein davon ab, dass es sich um generative KI handelt. Relevant sind unter anderem Anbieter, Produktversion, Vertragsbedingungen, Datenstandort, Trainings- und Speicherregeln, technische Schutzmaßnahmen und der konkrete Verwendungszweck.

Kanzleien brauchen deshalb klare Regeln für Datenkategorien und zugelassene Systeme. Insbesondere bei Mandatsinformationen sollte nicht der einzelne Nutzer spontan entscheiden müssen, welche Daten wohin übertragen werden dürfen.

Generative KI und menschliche Kontrolle

Der produktive Einsatz generativer KI folgt häufig einem Human-in-the-Loop-Prinzip: Das System erzeugt oder strukturiert Inhalte, ein Mensch bewertet und verantwortet das Ergebnis. In juristischen Prozessen ist diese Trennung besonders wichtig, weil Qualität nicht allein an sprachlicher Plausibilität gemessen werden kann.

Generative KI kann damit die Bearbeitung beschleunigen, ohne dass Verantwortung und fachliche Entscheidung automatisiert werden müssen.

Fazit: Generative KI wird zur Basistechnologie vieler Legal-Tech-Anwendungen

Generative KI ist keine einzelne Anwendung, sondern eine technologische Grundlage für zahlreiche neue digitale Werkzeuge. Im Rechtsmarkt reicht das Spektrum von allgemeinen Assistenten wie ChatGPT bis zu spezialisierten Legal-AI-Plattformen.

Für Kanzleien liegt das Potenzial vor allem darin, große Mengen unstrukturierter Informationen schneller zu bearbeiten. Entscheidend bleibt jedoch die Verbindung aus Technologie, geeigneten Daten, klaren Regeln und menschlicher juristischer Verantwortung.

Quellen und Vertiefung:
Bundesrechtsanwaltskammer: Handlungshinweise zum Einsatz von KI
Leadsleader: KI für Anwälte

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Autor
Christian Hollmann
Christian Hollmann SEO, GEO & Legal Tech

Christian schreibt über SEO, KI-Suche, Legal Tech und digitale Sichtbarkeit im Rechtsmarkt.

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